Asli Sungu (TR) *1975, lebt und arbeitet in Berlin.
Die Videoarbeiten von Asli Sungu befassen sich mit Fragen von kultureller Identität, dem Subjekt als Projektionsfläche von Erwartungen und mit der Rolle der Künstlerin in der heutigen Gesellschaft. Ausgangspunkt und Untersuchungsgegenstand ihrer Videoarbeiten ist größtenteils die Künstlerin selbst sowie ihr näheres Umfeld. Eine typische Herangehensweise der Künstlerin ist, dass sie sich unlösbaren Aufgaben stellt und die Videokamera das inbegriffene Scheitern als stiller Beobachter dokumentiert. Die hier in der Ausstellung präsentierte Zwei-Kanal-Monitorarbeit Ganz die Mutter / Ganz der Vater (2006) zeigt wie die Künstlerin einmal von ihrer Mutter und einmal von ihrem Vater von Kopf bis Fuss nach ihren Vorstellungen eingekleidet wird. Die Unterschiede sind eklatant: Die Mutter zieht der Tochter ein eher mädchenhaftes Kleid an, so dass Sungu zum Schluss wie ein Schulmädchen aussieht. Im Gegensatz dazu erhält die Tochter von ihrem Vater das klassische Outfit einer Geschäftsfrau. Die Kleidung ist dabei nur das eingesetzte Mittel für den Ausdruck eines Wunschbildes von Seiten der Eltern. Sungu übernimmt im Video eine Doppelrolle und dient gleichwohl als lebendige Projektionsfläche. Auf diese Weise wird die Zuschreibung von sozialen Rollen – in diesem Fall der Tochter und der Künstlerin – in einen Erwartungshorizont eingebettet und mittels einer einfachen Aufgabenstellung demonstriert.
Asli Sungu
1975 geboren in Istanbul, Türkei
1999 Mimar Sinan Universität der Künste, Istanbul
2000-2005 Universität der Künste Berlin, Prof. Christiane Möbus
2005 Meisterschülerabsschluss bei Prof. Christiane Möbus
Einzelausstellungen (Auswahl): Khyber Institute, Halifax, Kanada (2008); Goethe Institut, Ankara (2006).
Gruppenausstellungen (Auswahl): Fellow Villa Romana, Deutsche Guggenheim, Berlin (2008); Drei Abende Türkischer Videokunst, ifa-Galerie, Berlin/Stuttgart (2007); Kunstpreis Junger Westen für Skulptur, Kunsthalle Recklinghausen (2007); les Inattendus, Frac Franche Comté/Musée départemental d’arts et traditions popularizes, Champlitte (2007); Nightcomers, 10. Istanbul Biennale (2007); Air pocket, Galerist, Istanbul (2007); Förderkohle, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin (2007); Monat der Fotografie, Haus am Kleistpark, Berlin (2006); Arabesque Süperiör, Lothringerstr 13, München (2006); Jump Cut-Nights (screening), Museum Ludwig, Köln (2006); Exploding Television - Sex and Sadness, Witte de Witt, Rotterdam (2006); Fokus Istanbul, Martin-Gropius Bau, Berlin (2005); Stadtkunst Bonn, Bonn (2005); Videonale 10, Kunstmuseum Bonn (2005).
Auszeichnungen: Villa Romana, Florenz (2008); Junger Westen, Recklinghausen (Engere Wahl, 2007); Blau Orange Kunstpreis, Berlin (Shortlist mit Claus Richter, 2007); Berliner Senat Arbeitsstipendium, Berlin (2007); Goethe-Institut-Residency- Stipendium in Beirut, Libanon (2005).