Do you have expectations?

27. April – 17. Mai 2008

Eröffnung: Freitag, 25. April 2008, 18 Uhr
Finissage: Samstag, 17. Mai 2008, 14 – 18 Uhr
Öffnungszeiten: Donnerstag – Samstag 14 – 18 Uhr

Wartesaal
Ausstellungsraum im Perla-Mode
Langstrasse 84 / Brauerstrasse 37,
CH-8004 Zürich

Patricia Bucher (CH), Florencia Colombo (AR), Benedikt Hipp (D), Alicja Kwade (D), Asli Sungu (TR), Sebastian Wickeroth (D)

Die internationale Gruppenausstellung Do you have expectations? zeigt künstlerische Positionen, die sich in ihren Arbeiten mit der Frage nach Erwartungen als Phänomen beschäftigen. Die Ausstellung versteht sich als eine Art Bestandsaufnahme, die das Phänomen der Erwartungen in den verschiedensten Feldern wie Alltag, Familie, Politik und Kunst veranschaulicht und keine dogmatische Aussage darüber zu treffen vermag. Im Rahmen der Ausstellung werden Erwartungen als ein kommunikatives Muster diskutiert, an und mit denen sich Menschen, sowie auch Institutionen orientieren. Psychologisch betrachtet entstehen Erwartungen durch Erfahrungen. Sie sind eine Folge der Wissensverarbeitung durch kognitive und emotionale Prozesse und dienen dazu, die Entwicklung und Veränderung des persönlichen Lebensraums für das Individuum vorhersehbar zu machen. Erwartungen entstehen, verändern sich, erfüllen sich oder werden enttäuscht und ereignen sich auf einer zeitlichen Achse. Nach dem Systemtheoretiker Niklas Luhmann übernehmen Erwartungen eine wichtige Orientierungsfunktion, die jedoch auf einer Unsicherheit beruht, da sich diese auf eine absolut unbestimmbare und unvorhersehbare, externe Wirklichkeit bezieht. Dem gegenüber steht die Auffassung, dass Erwartungen „in Bezug auf stabile Identitäten aufgebaut [werden] – wie etwa Objekte, Individuen, Ereignisse, Werte, Begriffe, Normen.1“ Ein solcher Bezugspunkt ist auch die Kunst. So lässt sich analog fragen: Welche Erwartungen haben Künstlerinnen und Künstler an die Kunst haben und ihre Themen? Welche Erwartungen hat das Publikum an die Kunst? Dienen Erwartungen im Kunstkontext zum Aufbau einer stabilen Identität? Inwiefern übernehmen Erwartungen in der Kunst ebenfalls eine Orientierungsfunktion?1Baraldi/Corsi/Esposito (Hg.), GLU – Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, Frankfurt am Main, 1997, S. 46

Ausgehend von der Präsenz von Erwartungen in unterschiedlichen Kommunikationsräumen untersucht Do you have expectations? das Phänomen auf einer bildnerischen Ebene. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler nähern sich der im Titel aufgenommenen Frage unterschiedlich an: Die mehrteilige Bild-Text-Collage mit dem Titel Mein Präsident, ein Visionär! (2008) von Patricia Bucher hinterfragt das Visionäre als Bestandteil und Erwartung an die Politik, die nur noch als Worthülse (Demokratie) oder Ideologie (Diktatur) zu existieren scheint. Florencia Colombo beschäftigt sich in ihrer Fotoserie Face of our time (2007/2008) mit Ikonen der Fotografiegeschichte, die vornehmlich Personen in ihrem sozialen Kontext zeigen. Durch die Aneignung und digitale Manipulation der Bilder, entsteht ein Leeraum, welcher Erwartungen von Erwartungen darstellt. Asli Sungu untersucht in ihrer Videoarbeit Ganz die Mutter / Ganz der Vater (2006) das Phänomen der Erwartungen vornehmlich als soziale Praxis im familiären Umfeld – ganz im Sinne der Rollentheorie, wonach das Individuum (in diesem Fall die Künstlerin selbst) ausschließlich durch externe Rollenerwartungen determiniert wird. Benedikt Hipp visualisiert in seinen Tusche-Zeichnungen das Thema als Ahnung oder Prophezeiung und fängt so Momente des Unvorhersagbaren ein. Die Videoarbeiten Junge Sterne rauchen (2007) und No Light Left – die Erschießung der 1.2.3. Dimension (2007) von Alicja Kwade beschreiben den Prozess der Nichterfüllung von Erwartungen auf einer metaphorischen Ebene. Die eigens für diese Ausstellung entstandene, raumbezogene Installation von Sebastian Wickeroth suggeriert ein stattgefundenes Ereignis mit narrativen Mitteln, welches die Erwartungshaltung des Publikums letztendlich in die Irre führt. So bleibt nur noch eine Frage offen: „Do you have expectations?“

Künstlerinnen und Künstler:

Patricia Bucher (CH) *1976, lebt und arbeitet in Berlin
Florencia Colombo (AR) *1977, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main
Benedikt Hipp (D) *1977, lebt und arbeitet in München
Alicja Kwade (D) *1979, lebt und arbeitet in Berlin
Asli Sungu (TR) *1975, lebt und arbeitet in Berlin
Sebastian Wickeroth (D) *1977, lebt und arbeitet in Düsseldorf

Kuratorin:

Cynthia Krell (ROU/D), *1978, lebt und arbeitet in Zürich